Warum es Schaltjahre gibt
Ein Jahr hat 365 Tage, oder? Tatsächlich ist das aber nicht richtig, denn ein Jahr hat astronomisch betrachtet exakt 365,2422 Tage. Und der ganze Rummel rund um das "Schaltjahr" ist nichts anderes als die Buchhaltung über diese ominösen 0,2422 Tage, die die meisten Menschen gar nicht kennen.
Wo kommen diese 365,2422 Tage her?
Die Erde braucht für die Umrundung der Sonne 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden. Und wenn man das in Tagen ausdrückt, dann kommt man auf die Zahl 365,2422. Mit so einer krummen Zahl kann man aber keinen Kalender führen; da werden ganze Tage gebraucht.
Was würde denn passieren, wenn man diese 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden weg ließe und einfach mit 365 Tagen arbeitet? Dann hätte man nach vier Jahren einen ganzen Tag verloren. Nach 120 Jahren wäre ein ganzer Monat weg. Und der Kalender würde langsam durch die Jahreszeiten wandern, bis Weihnachten im Herbst läge – nicht als Katastrophe, sondern als stetiges Verrutschen.
Der erste Versuch: alle vier Jahre
Das ein Jahr länger als 365 Tage ist wurde in der Menschheitsgeschichte schon früh bemerkt. Im Jahr 46 v. Chr. führte Julius Caesar den Kalender ein, der später als "Julianischer Kalender" nach ihm benannt wurde: drei Jahre zu 365 Tagen, dann eines zu 366. Im Schnitt waren das dann 365,25 Tage.
Das war schon verblüffend nahe dran, aber eben doch nicht ganz exakt. 365,25 ist um 0,0078 Tage zu lang, gut elf Minuten pro Jahr. Elf Minuten klingen nach nichts. Sie summieren sich aber alle 128 Jahre zu einem vollen Tag.
Bis der Kalender zehn Tage danebenlag
Und genau das passierte. Bis ins 16. Jahrhundert hatte sich der Julianische Kalender um zehn Tage von den Jahreszeiten entfernt. Das war kein rein akademisches Problem, denn Ostern hängt am Frühlingsanfang, und der fiel nicht mehr dorthin, wo er sollte.
Dann kam 1582 von Papst Gregor XIII. die Korrektur: auf Donnerstag, den 4. Oktober 1582, folgte Freitag, der 15. Oktober – zehn Tage wurden gestrichen und existieren in der Geschichte nicht. Und damit sich der Fehler nicht erneut aufbaut, wurde die Schaltjahrregel verfeinert.
Übernommen wurde die Reform nicht überall gleichzeitig. Die katholischen Gebiete zogen ab 1583 nach, die protestantischen Territorien Deutschlands erst 1700.
Und die aktuelle Regelung?
Es gilt eine Regel mit einer Ausnahme und einer Ausnahme von der Ausnahme:
- Ist das Jahr durch 4 teilbar? Nein → kein Schaltjahr, sonst weiter mit 2.
- Ist es durch 100 teilbar? Nein → Schaltjahr, sonst weiter mit 3.
- Ist es durch 400 teilbar? Ja → Schaltjahr, sonst nicht.
Deshalb war 1900 kein Schaltjahr, 2000 aber schon. Beide sind durch 4 und durch 100 teilbar, nur 2000 zusätzlich durch 400. Wer in den 1890er Jahren gerechnet hat, musste nach 1896 acht Jahre auf den nächsten 29. Februar warten – bis 1904. Dasselbe steht 2100 wieder an.
Diese Ausnahme ist der einzige Grund, warum die Regel überhaupt kompliziert ist. Sie streicht in 400 Jahren drei Schalttage und drückt den Durchschnitt damit von 365,25 auf 365,2425 Tage.
Wie genau ist das?
365,2425 gegen die tatsächlichen 365,2422: es bleibt ein Rest von 0,0003 Tagen pro Jahr, etwa 26 Sekunden. Daraus wird erst nach rund 3.000 Jahren ein voller Tag. Ob und wie man den dann verrechnet, ist bisher nicht entschieden – es eilt ja nicht.😅
Selbst nachsehen
Ob ein bestimmtes Jahr ein Schaltjahr ist, welche Regel darüber entschieden hat und wann das nächste kommt, beantwortet der Schaltjahrrechner.
Und wer noch ein paar interessante Informationen zum 29. Februar sucht sei dieser Artikel empfohlen: Am 29. Februar geboren.