Wie sicher sind diese Zahlen eigentlich?
Diese Website ist voller Zahlen: wie viele Kinder an einem Tag durchschnittlich zur Welt kommen, welcher Kalendertag der häufigste ist, warum an Weihnachten so wenige geboren werden... Aber woher wissen wir das – und wie sicher sind unsere Angaben? Eine kleine Führung durch unsere Geburtstags-Zahlen-Werkstatt, ganz ohne Formeln.
Die Frage hinter allen anderen
Wer hier ein Geburtsdatum eingibt, bekommt Aussagen wie: „An Ihrem Kalendertag kommen im Schnitt mehr Kinder zur Welt als an einem Durchschnittstag." Das klingt selbstverständlich. Dahinter steckt aber eine Frage, die sich jede Statistik gefallen lassen muss: kann man das wirklich wissen – oder ist es geraten?
Die ehrliche Antwort hat zwei Hälften. Manches wissen wir sehr genau. Und manches kann niemand wissen, egal wie gut die Daten sind. Der Unterschied zwischen beidem ist der Inhalt dieses Artikels.
Woher die Zahlen stammen
Die Grundlage ist keine Umfrage und keine Schätzung, sondern eine Vollzählung: das Statistische Bundesamt erfasst jede in Deutschland gemeldete Lebendgeburt. Diese Daten sind öffentlich zugänglich. Wir werten diese amtlichen Zahlen für die Jahre 2014–2025 aus – für jeden einzelnen der 366 Kalendertage. Ja, es sind 366, weil wir den 29. Februar einschließen. (Zum 29. Februar haben wir übrigens einen eigenen Artikel verfasst.)
Zwölf Jahre von 2014–2025 bedeuten: hinter jedem Kalendertag stehen rund 24.000 tatsächlich gezählte Geburten. Und genau diese Zahlen verwenden wir für unsere Berechnungen.
Wo in einer Vollzählung der Zufall steckt
Gezählt ist gezählt – wie kann da überhaupt etwas unsicher sein? Weil die spannende Frage nicht der Vergangenheit gilt, sondern dem Muster dahinter. Wie viele Kinder in diesen zwölf Jahren an einem 3. Mai zur Welt kamen, steht fest, auf das Kind genau. Die Frage, die Sie interessiert, lautet aber anders: Ist der 3. Mai an sich ein häufigerer Geburtstag als der 4. Mai?
Und da mischt der Zufall mit. Kliniken legen geplante Kaiserschnitte und Einleitungen auf Werktage – auf welchen Wochentag ein Datum fällt, wechselt aber von Jahr zu Jahr. Zwölf Jahre gleichen das weitgehend aus, nur nicht perfekt: Manches Datum hat in diesem Zeitraum ein Wochenende mehr abbekommen als sein Nachbar. Dazu kommen Feiertagslagen und Brückentage. All das schiebt ein paar Geburten von einem Tag zum anderen, ohne dass es über die Tage selbst etwas aussagt.
Dieser Rest an Zufall lässt sich beziffern: Er liegt bei rund 0,6 Prozent, umgerechnet etwa ein Dutzend Geburten pro Tag. Erst wenn zwei Tage deutlich weiter auseinanderliegen, bedeutet ihr Unterschied wirklich etwas.
Ein Zieleinlauf mit 366 Läufern
Sortiert man alle Kalendertage nach Häufigkeit, entsteht eine Rangliste. Die stellt man sich am besten wie das Zielfoto eines Laufs mit 366 Teilnehmern vor, aufgenommen mit einer leicht unscharfen Kamera. Den Ersten vom Letzten zu unterscheiden ist mühelos – dazwischen liegen Welten. Aber bei zwei fast gleichauf Laufenden kann das Foto nicht entscheiden, wer Platz 143 belegt und wer Platz 144. Nicht weil die Kamera schlecht wäre, sondern weil ihr Abstand kleiner ist als die Unschärfe.
Genau so stehen die Kalendertage zueinander: 358 der 365 in der Rangliste benachbarten Paare trennt weniger als die Schwankungsbreite. Ob ein Tag auf Rang 143 oder 147 steht, ist deshalb im Wesentlichen Zufall.
Wie uns das selbst passiert ist
Während der Arbeit an dieser Website kam ein weiterer Datenjahrgang hinzu – und der häufigste Geburtstag Deutschlands wechselte vom 21. September auf den 8. August. An den Daten war nichts falsch, vorher nicht und nachher nicht. Die beiden Tage liegen schlicht so eng beieinander, dass ein einziges Jahr genügt, um die Reihenfolge zu kippen.
Was dagegen felsenfest steht
Aber dee großen Muster sind um ein Vielfaches größer als jede Schwankung.
- Der Feiertagseinbruch: Am 25. Dezember kommen rund 30 Prozent weniger Kinder zur Welt als an einem Durchschnittstag.
- Der Wochenendeffekt: Werktags werden im Schnitt 2.168 Kinder pro Tag geboren – am Wochenende sind es jeden Tag rund 460 weniger.
- Die Spannweite: Am häufigsten Kalendertag kommen mit 2.314 Geburten gut anderthalbmal so viele Kinder zur Welt wie am seltensten (1.430).
Was wir deshalb schreiben – und was nicht
Sie werden auf dieser Website nirgends lesen, Ihr Geburtstag sei „der 287. häufigste Tag des Jahres". So ein Satz sähe präzise aus, aber die Präzision wäre gespielt – schon der nächste Datenjahrgang könnte aus der 287 eine 293 machen.
Stattdessen bekommen Sie, was die Daten wirklich hergeben:
- absolute Zahlen – wie viele Kinder an Ihrem Tag im Schnitt zur Welt kommen,
- den Vergleich zum Durchschnitt von 2.036 Geburten pro Tag,
- grobe Einordnungen wie „häufig“ oder „sehr selten“ – und Ränge nur dort, wo der Vorsprung jede Schwankung übersteigt, etwa „unter den zehn seltensten Tagen des Jahres“.
Kurz: Wo die Daten flüstern, flüstern wir mit. Wo sie deutlich sprechen, sagen wir es deutlich.
Wie sich das im Ergebnis liest, zeigt die Übersicht aller Kalendertage. Und woher die Daten im Einzelnen stammen, steht unter Datenquelle.
Datenquelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), eigene Berechnung · Datenquelle und Lizenz